Liedduo
Prégardien – Gees
Sechste Spielzeit 2012.2013 „Schemen“
„Panorama – Ballade“

„Tönende Partnerschaft“ lautet die Formel der gemeinsamen Liedinterpretation
für das Liedduo Christoph Prégardien und Michael Gees. Das Lied fasziniert sie,
weil es mehr ist als Musik, nämlich „Erzähl-Theater“. Dies gilt besonders für die
Ballade, ein Genre, dem die beiden Künstler den heutigen Abend bei Im
Zentrum LIED
widmen.


Christoph Prégardien wird von der Fachpresse zu den bedeutendsten Künst-
lern unserer Zeit gezählt, nicht nur im Hinblick auf sein künstlerisches
Schaffen als lyrischer Tenor, sondern auch durch sein Wirken als Pädagoge,
begeisterter Kammermusiker und Initiator immer neuer Projekte.
Seine langjährige Erfahrung als Sänger der großen Evangelisten-Partien und
die intensive Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Kent Nagano, Riccardo
Chailly, Philippe Herreweghe, Nikolaus Harnoncourt, Fabio Luisi und John
Eliot Gardiner sind für ihn die ideale Voraussetzung, sich diesem Repertoire
nun als Dirigent zu nähern. Im Frühjahr 2012 wird Christoph Prégardien
erstmals J. S. Bachs Johannespassion dirigieren und diese mit dem Ensem-
ble Le Concert Lorrain und dem Nederlands Kamerkoor auf einer europa-
weiten Tournee mit Stationen in Oslo, Wien, Warschau, Luxembourg, Am-
sterdam, Brüssel, Bologna, Luzern und Paris zur Aufführung bringen.
Ganz besonders geschätzt ist Christoph Prégardiens Schaffen als Liedsänger.
In der laufenden Saison ist er unter anderem in der Wigmore Hall London,
bei der Schubertiade Schwarzenberg und am De Singel Antwerpen zu hören.
Auch bei großen Orchestern ist Christoph Prégardien häufig zu Gast. Er tritt
regelmäßig mit den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem Symphonie-
orchester des Bayerischen Rundfunks, Concertgebouworkest Amsterdam,
der Staatskapelle Dresden, dem Gewandhausorchester Leipzig, Orquesta
y Coro Nacional de España Madrid, Philharmonia Orchestra London, der
Philharmonie de Radio France sowie den Boston, St. Louis und San Fran-
cisco Symphony Orchestras auf. Zu seinem Orchesterrepertoire gehören
neben den großen Oratorien und Passionen aus Barock, Klassik und Roman-
tik auch Werke des 17. und 20. Jahrhunderts.
Einen wichtigen Teil seines Repertoires hat der Sänger auf inzwischen über
130 Tonträgern bei den Labels BMG, EMI, DG, Philips, Sony, Erato und Tel-
dec dokumentiert. Seine zahlreichen Aufnahmen des deutschen romanti-
schen Liedes – von Publikum und Fachpresse umjubelt – wurden mit Preisen
wie dem Orphée d’Or der Académie du Disque Lyrique – Prix Georg Solti,
dem Preis der deutschen Schallplattenkritik, dem Edison Award, dem Cannes
Classical Award und dem Diapason d’Or ausgezeichnet.
Eine neue langfristige Zusammenarbeit verbindet Christoph Prégardien mit
dem niederländischen Label Challenge Classics: Als erste Produktion erschien
2008 Schuberts Die schöne Müllerin mit Michael Gees, die innerhalb kürze-
ster Zeit mit hervorragenden nationalen und internationalen Rezensionen
überhäuft wurde (u.a. Gramophone, Editor‘s Choice & „Best of 2008“) und
bei der MIDEM 2009 sowohl den „Record of the Year Award„ als auch den
„Vocal Recital Award“ erhielt. Vor kurzem wurde bei Challenge seine Auf-
nahme des Italienischen Liederbuchs von Hugo Wolf mit Julia Kleiter und
Hilko Dumno veröffentlicht.
Ein wichtiger Aspekt im musikalischen Leben Christoph Prégardiens ist die
intensive pädagogische Arbeit. Parallel zu seiner Konzerttätigkeit unter-
richtet er weltweit in Meisterkursen junge Sänger und Sängerinnen. Von
2000 bis 2005 leitete er eine Klasse an der Hochschule für Musik und Thea-
ter Zürich, seit 2004 ist er Professor an der Musikhochschule Köln. In einer
neuartigen Kombination aus DVD und Buch in der Reihe „Schott Master
Class“ beleuchtet er Aspekte der Gesangstechnik und Interpretation in Wort,
Bild und Ton.

„Gees hat während des ganzen Abends gespielt, als ob er der Schöpfer der
Kompositionen sei und darüber gewacht, daß alles sich so zusammenfüge,
wie er es innerlich gegenwärtig hatte. Seine Augen waren nicht die des nur
reproduzierenden Künstlers, sondern die flackernden des Entflammten, wie
er in unserer Vorstellung als schöpferischer Komponist lebt.“
N. Campogrande
Mit drei Jahren ist das Klavier das Lieblingsspielzeug von Michael Gees, ab
fünf bekommt er Unterricht, mit acht gewinnt er den Steinway-Wettbewerb
und erhält ein Stipendium am Mozarteum Salzburg. Gefeiert als „Westfäli-
scher Mozart“, studiert er an den Hochschulen in Wien und Detmold und es
scheint, als stünde einer Pianistenkarriere nichts mehr im Wege.
Doch die Sehnsucht des begabten Kindes, die Welt der Klänge auf seine Art
zu erforschen, sie immer wieder von Note zu Note gleichsam neu zu erfinden,
statt Technik zu üben, ist stärker.
Das „Wunderkind“ entflieht mit 15 Jahren dem Druck der vorgezeichneten
Wettbewerbskarriere, läuft fort von Schule, Hochschule und Elternhaus,
sorgt durch Gelegenheitsarbeiten für seinen Lebensunter- halt, jobbt als
archäologischer Helfer und fährt zwei Jahre zur See.
1974 ergibt sich die Möglichkeit eines Studiums an der Hochschule für Musik
und Theater in Hannover. Er entwickelt auf individuellem Weg pianistische
Fähigkeiten, komponiert, wird international als hervorragender Liedbegleiter
bekannt und konzertiert weltweit.
Mit seinem Spiel läßt er eine lang vergessene Tradition wiederaufleben: das
Werk mit extemporierten Anteilen auszuschmücken. 2001 eröffnet er das
von ihm ins Leben gerufene Consol Theater. Hier werden Kinder, Jugendliche
und Erwachsene angeregt und ermutigt , eigene künstlerische Impulse zu
entdecken und zu verwirklichen.
Beim eigenen Label kunstvereint, bei CPO und EMI sind etliche CDs mit
Michael Gees erschienen. Seit 2007 ist er mit Challenge Classics verbunden.
Die dort erschienene Schöne Müllerin mit Christoph Prégardien wurde 2009
mit dem MIDEM Classical Award ausgezeichnet und wurde zugleich Recor-
ding of the Year.
Michael Gees arbeitet an Solo-Recitals zwischen Tradition und Neuland, an
Liederabenden und Melodramen sowie an Bühnenmusiken.